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Ohne Prüderie und in der Sprache Ulrich Kargers neue Version der Odyssee hebt sich ab von Schwab
Tagesspiegel Berlin; 20.4.97 "Ergänzt durch ein informatives Vorwort und einen Anhang, werden auch Erwachsene Lust bekommen, die Odyssee in dieser gut lesbaren Art nochmals zu geniessen." Zeichen der Liebe (CH-Basel); 4/97 Homer mit Jazz-Begleitung Ein wenig so wie Ulrich Karger könnte er ausgesehen haben, der Herrscher, Krieger und Seefahrer Odysseus, groß und kräftig und mit bärtigem Gesicht, dazu eine melodische Stimme, mit der er es versteht, die Irrfahrten seines Helden mit dem nötigen Timbre zu unterlegen. Homer mit Jazz-Hinterlegung - zu bestaunen am Sonnabendabend im Bürgerhaus. Ulrich Karger, Religionslehrer an einer Sprachheilschule in Berlin-Neukölln, hat sich nach vielen anderen Veröffentlichungen der "Odyssee" von Homer angenommen und diese in eine leicht lesbare, klare Sprache übertragen. So ist dieses Buch auch heute, nach fast 3000 Jahren, eine der größten Abenteuergeschichten der Weltliteratur. Zwar hat Odysseus den Trojanischen Krieg gewonnen, aber es vergehen zehn Jahre, bevor er nach langen Irrfahrten und vielen gefährlichen Erlebnissen wieder in sein Reich Ithaka, zu seiner Frau Penelope und seinem Sohn Telemachos zurückkehrt. Das altgriechische Epos ist in 24 Gesänge untergliedert, drei trug Ulrich Karger als Gast des Kulturvereins vor - in seiner zeitgemäßen Fassung. Er tat noch ein Weiteres. Er ließ das von ihm gesprochene Wort von Gernot Reetz am Flügel untermalen, und zwar nicht nur vor und nach der Lesung, sondern während des gesamten Vortrages. Das erforderte von dem Pianisten großes Einfühlungsvermögen und immer, wie es Karger ausdrückte, ein Spielen mit "angezogener Bremse". Das aber machte er so gut, dass trotzdem jedes Wort zu verstehen war, mehr noch, die Stürme, die Poseidon dem kühnen Seefahrer schickte, scheinen fast anschaulich vor dem dunklen Fenstern des Bürgerhauses zu toben, und bei den Verführungskünsten der Nymphe Kalypso, die Odysseus nicht weiterziehen lassen will, perlen die Töne ganz zart, leicht, verlockend, oder sie grummeln bedrohlich, als der Held das Abenteuer gegen den menschenfressenden einäugigen Kyklopen Polyphem zu bestehen hat. Es war wohl parallel laufenden Veranstaltungen geschuldet, dass nur wenige Zuschauer den Weg ins Bürgerhaus fanden. Dieser fesselnde Abend hatte ein größeres Publikum verdient Märkische Allgemeine 29.11.99 |
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