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Rezensionen zum Buch 创Homer: DIE ODYSSEE``

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Ohne Prüderie und in der Sprache
Ulrich Kargers neue Version der Odyssee hebt sich ab von Schwab


"Seit über 150 Jahren hält sich Gustav Schwabs einst verdienstvolle Nacherzählung der Odyssee auf dem Markt; außerdem sind zahlreiche moderne Jugendbuchfassungen entstanden, kurzlebige und langlebige. Da die Odyssee gegenwärtig sogar in Bilderbuch- und Taschenbuchausgaben zu haben ist, bestand kein dringender Bedarf für eine neue Prosa-Nacherzählung dieser ältesten Abenteuerdichtung unseres Kulturkreises. Dennoch: der zurückhaltend illustrierte Band macht im breiten Angebot keine schlechte Figur und ist wegen seiner Vorzüge durchaus hervorzuheben.
Ulrich Karger, der sich ausdrücklich von Schwab abheben will, hat weder Umstellungen noch inhaltliche Kürzungen vorgenommen, nur gelegentlich Wiederholungen beseitigt. Im Gegensatz zu einigen Vorgängern hält er nichts mehr von übertriebener Prüderie; daß Kalypso und Kirke sich Odysseus als Liebhaber halten, wird bei ihm genauso deutlich gesagt wie bei Voß. Kargers straffe Darstellung besticht durch einen unpathetischen, manchmal ausgesprochen nüchternen Ton, wobei die etwas gehobene Rede sich entschieden an der Gegenwartssprache orientiert. Klarheit und Detailtreue sind dem Autor offensichtlich wichtiger gewesen als stilistische Geschmeidigkeit. Saloppe Anbiederungen an den Jugendjargon hat er sich strikt versagt.
Homers Epos, überreich an Schauplätzen und Personen, gewinnt im Mittelteil, als Odysseus sich bei den Phaiaken erzählend seiner Irrfahrten erinnert, die größte Farbigkeit; die Begebenheiten auf Ithaka nehmen jedoch den meisten Raum ein. In Anlehnung an die 24 Gesänge des Originals hat Karger seinen Prosatext auch in 24 Kapitel gegliedert, die er mit so treffenden Überschriften versehen hat, daß man sich beim Wieder- und Nachlesen gut zurechtfindet. Sehr nützlich ist der weit verzweigte Stammbaum des Odysseus am Ende des Bandes, außerdem mehreren Register. Alles in allem beruht Kargers Neufassung auf einer grundsoliden Leistung, die zwar nicht unübertroffen, aber anerkennenswert ist."

Tagesspiegel Berlin; 20.4.97
Jutta Grützmacher

"Ergänzt durch ein informatives Vorwort und einen Anhang, werden auch Erwachsene Lust bekommen, die Odyssee in dieser gut lesbaren Art nochmals zu geniessen."

Zeichen der Liebe (CH-Basel); 4/97

Homer mit Jazz-Begleitung
Lesung brachte in Glienicke Poseidons Stürme zum Leben

Ein wenig so wie Ulrich Karger könnte er ausgesehen haben, der Herrscher, Krieger und Seefahrer Odysseus, groß und kräftig und mit bärtigem Gesicht, dazu eine melodische Stimme, mit der er es versteht, die Irrfahrten seines Helden mit dem nötigen Timbre zu unterlegen. Homer mit Jazz-Hinterlegung - zu bestaunen am Sonnabendabend im Bürgerhaus.

Ulrich Karger, Religionslehrer an einer Sprachheilschule in Berlin-Neukölln, hat sich nach vielen anderen Veröffentlichungen der "Odyssee" von Homer angenommen und diese in eine leicht lesbare, klare Sprache übertragen. So ist dieses Buch auch heute, nach fast 3000 Jahren, eine der größten Abenteuergeschichten der Weltliteratur. Zwar hat Odysseus den Trojanischen Krieg gewonnen, aber es vergehen zehn Jahre, bevor er nach langen Irrfahrten und vielen gefährlichen Erlebnissen wieder in sein Reich Ithaka, zu seiner Frau Penelope und seinem Sohn Telemachos zurückkehrt.

Das altgriechische Epos ist in 24 Gesänge untergliedert, drei trug Ulrich Karger als Gast des Kulturvereins vor - in seiner zeitgemäßen Fassung. Er tat noch ein Weiteres. Er ließ das von ihm gesprochene Wort von Gernot Reetz am Flügel untermalen, und zwar nicht nur vor und nach der Lesung, sondern während des gesamten Vortrages. Das erforderte von dem Pianisten großes Einfühlungsvermögen und immer, wie es Karger ausdrückte, ein Spielen mit "angezogener Bremse". Das aber machte er so gut, dass trotzdem jedes Wort zu verstehen war, mehr noch, die Stürme, die Poseidon dem kühnen Seefahrer schickte, scheinen fast anschaulich vor dem dunklen Fenstern des Bürgerhauses zu toben, und bei den Verführungskünsten der Nymphe Kalypso, die Odysseus nicht weiterziehen lassen will, perlen die Töne ganz zart, leicht, verlockend, oder sie grummeln bedrohlich, als der Held das Abenteuer gegen den menschenfressenden einäugigen Kyklopen Polyphem zu bestehen hat.

Es war wohl parallel laufenden Veranstaltungen geschuldet, dass nur wenige Zuschauer den Weg ins Bürgerhaus fanden. Dieser fesselnde Abend hatte ein größeres Publikum verdient

Märkische Allgemeine 29.11.99
Rotraud Wieland

  
Die Odyssee. Mit Materialien
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