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Leseprobe zum Buch 创Homer: DIE ODYSSEE``

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Es sind sieben Rinderherden und sieben Schafherden, soviel wie die Woche Tage hat, und zu jeder Herde zählen fünfzig Tiere, soviel wie sich das Jahr in Wochen teilt. Sie vermehren sich nicht, aber sie werden auch nicht weniger. Verletzt ihr sie nicht, werdet ihr einigermaßen heil Ithaka erreichen. Im anderen Fall werdet ihr alle untergehen. Selbst wenn du als einziger überleben solltest, würdest du erst viel später und sehr elend heimkehren."
Damit verabschiedete sich die zauberreiche Kirke von mir, denn Eos war schon dabei, sich ihr rosiges Kleid anzulegen.
Ich weckte meine Gefährten und trieb sie zur Eile an. Nach einigen Ruderschlägen spannte sich das Segel vor einem günstigen Wind, den uns die schöne Zauberin als letzten Gruß entsandte.
Nachdem auf dem Schiff alles seine Ordnung hatte und wir gut im Wind lagen, sprach ich zu meinen Gefährten: "Freunde, ich will euch nun mitteilen, was ich von Kirke in Erfahrung gebracht habe. Zunächst müssen wir an den Sirenen vorbei."
Kaum hatte ich ihnen alles berichtet, was ich von den Sirenen wußte, war es plötzlich vollkommen windstill, und es kräuselte sich keine einzige Welle mehr. Wie verabredet, holten die Gefährten das Segel ein und setzten sich an die Ruder. Ich schlug indessen mit meinem Schwert Wachs von einer großen Scheibe ab. Die kleinen Stücke knetete ich unter der heißen Sonne und verklebte damit die Ohren der Gefährten. Daraufhin banden sie mich mit Tauen am Schiffsmast fest und begannen im stetigen Schlag zu rudern. Als wir schließlich der Insel in Rufweite nahegekommen waren, entdeckten uns die beiden Sirenen.
"Komm doch, viel besungener Odysseus, der du unter den Achaiern einer der Besten bist! Lege an mit deinem Schiff und erfreue dich an unserem Gesang! Wir wissen alles, was sich in Troja zugetragen hat, wissen von allem, was auf der Erde geschieht!"
Ich flehte meine Gefährten mit den Augen an, mich doch loszubinden. Sie aber schlugen die Ruder noch heftiger in die graue See, während Eurylochos und Perimedes die Fesseln stramm hielten. Erst als wir ein gutes Stück an der Insel vorbeigezogen waren, entfernten sie das Wachs aus ihren Ohren und banden mich vom Mast los.
Kurze Zeit später wurden meine Gefährten von einem fürchterlichen Rauschen erschreckt. Die Brandungswellen vor uns waren so gewaltig, daß ihre Gischt wie Dampf über den Felsen hing. Da ließen die Männer ihre Ruder aus der Hand fahren und gaben das Schiff der Strömung preis. Wie sollte ich sie nur wieder ermutigen?
"Freunde, das ist doch nicht die erste Gefahr, der wir begegnen!", rief ich ihnen zu. "Ich habe euch aus der Hand des Kyklopen befreit, und wenn ihr jetzt auf mich hört, umschiffen wir auch diese Klippe: Ihr müsst rudern, was das Zeug hält, und auf Zeus' Beistand hoffen.
Du, Steuermann, komme dem Strudel nicht zu nah, sondern halte genau auf den Felsen dort zu, damit wir nicht abtreiben. Sonst sind wir alle dem Untergang geweiht!"
Von der Skylla sagte ich nichts, sonst wären sie vor Angst völlig gelähmt gewesen. So aber gehorchten sie mir.
Ich vergaß indessen Kirkes Mahnung, legte meine Rüstung an, ergriff zwei lange Speere und hielt am Bug des Schiffes nach Skylla Ausschau. Jedoch, so sehr ich auch den braunen Felsen absuchte, ich konnte sie nirgends entdecken. Vor Anstrengung schmerzten mir schon bald die Augen.
Wir gelangten schließlich in die Enge und es gab kein Zurück mehr. Auf unserer Seite Skylla, auf der anderen die gurgelnde Charybdis. Kirke hatte nicht übertrieben!
Wenn Charybdis das Wasser brodelnd von sich gab, schien es zu kochen. Die Gischt sprang bis zu den Spitzen der beiden Klippen. Saugte sie das Wasser aber wieder an, bildete sich ein Strudel, in dessen Mitte man bis zum schwarzsandigen Grund sehen konnte.
Während wir gebannt dieses Schauspiel verfolgten, langte Skylla mit ihren Köpfen in unser Schiff und holte sich sechs meiner besten Männer. Ihre Entsetzenschreie übertönten sogar den Lärm der Brandung, und ich hörte sie verzweifelt meinen Namen rufen. Hilflos mußte ich mit ansehen, wie meine Gefährten von dem Ungeheuer verschlungen wurden. Diesen jammervollen Anblick werde ich nie vergessen.
Dann aber hatten wir die Meerenge passiert und gelangten schließlich zur Insel des Sonnengottes.

*(Überschrift und kursive Einführung analog zum ausgewählten Abschnitt für PROJEKT Lesen A 6; S. 148 ff.; Bayerischer Schulbuch Verlag; München 2001; siehe auch Kapitel 12 Skylla und Charybdis S. 94 ff. der TB-Ausgabe 2004 und S. 97 ff. der Erstausgabe 1996)

  
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