|
|
|
| |
Pathologie der Macht. Athen und das Ende einer Hegemonie.
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Der Peloponnesische Krieg (Taschenbuch) Thukydides hat Konjuktur, keine Frage. Immer wieder wird in diesen Tagen auf den großen Historiker Thukydides verwiesen wenn es darum geht, die gegenwärtige amerikanische Politik zu bewerten (so z.B. der bekannte Politologe Münkler u.a.). Thukydides, den nicht wenige für den größten aller Historiker halten (wenigstens auf die Antike bezogen, ohne Herodot zu nahe treten zu wollen), ist also keineswegs "von gestern". Thukydides Werk ist vor allem eine Untersuchung der Macht und des Machtstrebens, einem der Markenzeichen der Menschheit (leider möchte man anfügen). Die "größte Erschütterung, die Hellas und ein Teil der Barbaren je erlebt hatten" (so in der freien Übersetzung), der Peloponnesische Krieg eben, war ein Wendepunkt in der Griechischen Geschichte. Dies haben keineswegs alle Griechen so aufgefasst. Aber Thukydides tat dies und zeichnete ein detailiertes Bild des Kampfes, den sich Athen und Sparta sowie ihre Verbündeten lieferten. Ziel war die Macht des anderen zu brechen und die eigene Hegemonie zu bewahren bzw. neu zu begründen. Es war die "größte aller griechischen Tragödien" (so D. Kagan).
In acht Büchern beschrieb Thukydides diesen "antiken Weltkrieg", der sich über einen Raum von Kleinasien bis nach Sizilien erstreckte. Das Werk bricht im Jahr 411 v. Chr. plötzlich ab und wurde von Xenophon in seiner Hellenika fortgesetzt - allerdings ohne die Brillianz des Thukydides zu erreichen. Dieser unterschied streng wissenschaftlich zwischen dem vorgeschobenen Anlässen für den Krieg und den wahren Hintergründen. Diese sah er in der Hegemonie Athens, die viele Griechen nicht mehr akzeptieren wollten und konnten.
Höhepunkte wie der berühmte Melierdialog (Thuk. V 85 ff) oder die "Pathologie des Krieges" (Thuk. III 82 ff.) sind auch heute noch faszienierend. Die Lehre, dass eine Hegemonie zusammenbricht, wenn sie nur auf ihre egoistischen Motive beharrt, ist in Teilen durchaus noch gültig. Aber der Sinn ist nicht, das antike Athen auf die modernen USA zu projezieren - das ist unsinnig, aber die Lehren des Thukydides geben gute Beispiele ab, wie man damit umgehen kann. Lehrreich und anregend zugleich - solche Literatur ist heute sehr, sehr selten. Kurz: Kaufen, lesen, nachdenken, verstehen. Daraus kann man schon Gewinn ziehen. Thukydides war eben nicht nur Historiker eines Krieges (weshalb er oft verpöhnt wurde), sondern auch ein brillianter Beobachter der Politik und ihrer Mechanismen. Es sei angemerkt, dass diese Ausgabe m.E. etwas näher am Originaltext ist als die Landmanns.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 6. Mai 2004 | | |
| | | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
| |
Angebote zu , , ab 1 Euro!
|
| Siehe auch folgende Artikel: |
|
| | | Der Staat der Athener Theogonie: Griech. /Dt.: Griechisch / Deutsch Der Peloponnesische Krieg Werke und Tage. Historien: 1. Buch. Griech. /Dt.
|
| | Mehr zu Griechisch, Literaturtheorie & Interpretationen
|
| | Home ..., , Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von |
Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |